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Zur Kunst

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Kunst ist ohne Frage universell und subjektiv, diese Tatsache wurde bereits unzählige Male proklamiert. Sie wird niemals in ein einzelnes Genre passen und sich immer weiterentwickeln, basierend auf sowohl Künstlern als auch Kunstliebhabern. Interessanterweise aber, sind einige Wahrnehmungen und Ideologien der Kunst durch die Zeiten sehr gleichbleibend geblieben und werden bis heute als „wahr“ angesehen, obwohl doch so viele verschiedene Formen von Kunst existieren. Eine dieser eher gleichbleibenden zur Kunst rankt sich um die Mamor Statuen der griechischen und römischen Antike. Ihre Weiße scheint eine Art modernen Minimalismus zu repräsentieren und die professionell bearbeiteten Steine zeigen eine Schönheit die unseren heutigen Schönheitsstandards (und wohl auch denen in der Renaissance) erstaunlich ähnlich ist. Die Idealisierung der antiken griechischen und römischen Gesellschaft als ein Symbol der höchsten Form von Fortschritt einer Kultur seit der Renaissance ist sehr wahrscheinlich mit den makellosen Oberflächen ihrer Kunst verbunden. Ein allerdings weniger bekannter Fakt sind die Aussagen von relativ neuen Studien und Experimenten, die besagen, dass die Skulpturen zu antiken Zeiten sehr viel weniger minimalistisch aussahen, als sie heute vermuten lassen. Analysen von Partikeln und Pigmenten, die auf den Oberflächen einiger Werke gefunden wurden, legen nahe, dass diese mit bunten Farben angemalt waren. Genauso wie Häuser oder Tempel bemalt waren, auch wenn dies Tatsache weitaus mehr Bekanntheit erlangt hat.

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[Bild aus einem Hinterzimmer der Abguss-Samsung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin, mit einem bemalten Porträt in der oberen linken Ecke © Lea Hüntemann 2018]

Dieses Bild zeigt einige Gipsabgüsse von antiken Porträts, auf einem Regal in einem Hinterzimmer der Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin. In der oberen linken Ecke lässt sich ein Porträt-Kopf mit roten Lippen und gelben Augen erkennen. Die Kollektion hat mehrere Gipsabgüsse die angemalt sind und beobachten den Effekt, den diese Resultate auf uns haben. Sie benutzen unter anderem mehrere Köpfe der ägyptischen Nofrete in verschiedenen Farben, nur um zu sehen wie sie wirken würden. Um ehrlich zu sein, angesichts der normalen Ästhetik, die man verspürt wenn man sich griechische oder römische Statuen ansieht, fühlt sich der Anblick von diesen Kunstwerken in bunten Farben einfach irgendwie falsch an. Die Farben fühlen sich irgendwo grotesk und zu dick aufgetragen an, das Rot und gelb viel zu grell. Aber das ist auch eine Erinnerung, denn wir wissen nie genau, was hinter einem Kunstwerk steht. Es sei denn, wir fragen bei den Künstlern selbst genau nach und das ist in diesem Fall natürlich nicht möglich. Es ist auch eine Erinnerung daran, dass welche Ideale und Verknüpfungen auch immer wir mit Art heute haben, wir können nicht wissen was die Menschen in tausend Jahren damit machen. Das ist aber natürlich auch ein Teil der Kunst ausmacht; wir haben heute vielleicht für grell-angemalte Marmor-Statuen nicht mehr allzu viel übrig, aber diese Erkenntnis ändert auch vielleicht auch, wie wir bisher über griechische und römische Kunst nachgedacht haben. Vielleicht verschiebt sich das Bild der adretten und perfekten Gesellschaft und das ist am Ende eins der Dinge, um die es bei Kunst geht: die Erschaffung eines Bild der Gesellschaft. Und zu sehen, wie solch neue Erkenntnisse dieses Bild ändern können ist unvergleichbar.

Lea Hüntemann


TITLE PICTURE [Blick in eine Nische der Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin © Lea Hüntemann 2018]

 

 

 

 

Buch Review: CIRCE von Madeline Miller (2018)

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Ist die Kunst der griechischen Antike heute noch relevant? Jede Kunst wird, ab einem bestimmten Alter, von späteren Gesellschaften untersucht und sehr wahrscheinlich als „unzeitgemäß“ und „irrelevant“ bezeichnet werden. Fragen wie diese sind bereits viele Male gefragt worden und, obwohl der historische Wert natürlich unverkennbar ist, wird die Stellung dieser Stücke in der Gesellschaft vielleicht fallen. Madeline Miller, die Autorin des Bestseller-Buches Das Lied des Achill, hat diese Frage allerdings jetzt mittlerweile schon zum zweiten Mal mit einem lauten Ja beantwortet. Nach ihrem Erfolg mit Das Lied des Achill, hat sie nun einen zweiten Roman herausgebracht, der einen Teil der homereschen Epen erkundet: Circe. Und dieser Roman wird mindestens genauso erfolgreich wie der erste.

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